PIIT

 

Die Psychodynamische Imaginative Trauma Therapie (PITT ) nach Luise Reddemann wurde für die Behandlung von komplexen Traumafolgestörungen entwickelt mit dem Ziel die Selbstregulation und Selbstheilung, Achtsamkeit zu verbessern. Die PITT setzt verstärkt bei den Ressourcen der Patienten an, wobei sie die gesteuerte Spaltung (Dissoziation) als therapeutisches Instrument nutzt. (1)

Theorie: Das Trauma bezeichnet ein belastende Erfahrung, Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophalem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde (ICD-10) z.B. Naturkatastrophen, schwerer Unfall, Beobachten des gewaltsamen Todes Anderer oder ein Opfer von Folter, Terrorismus, Vergewaltigung oder anderen Verbrechen)

Sympome: Zeitnah oder verzögert bis zu mehreren Jahren oder Jahrzehnten können Symptome einer Traumafolgestörungen auftreten. Auch wenn Menschen über einen langen Zeitraum ein völlig normales Leben führen, können plötzlich durch eintretende Stresssituationen traumatische Erinnerungen wieder hochkommen.

Typische Merkmale sind das wiederholte Erleben des Traumas in sich audrängenden Erinnerungen (Nachhallerinnerugen, Flaschbacks), oder in Träumen, vor dem Hintergrund eines andauernde Gefühls von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit, Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit der Umgebung gegenüber, Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten. Vermehrt tritt ein Zustand vegetativer Übererregtheit mit  Vigilanzsteigerung, einer übermäßigen Schreckhaftigkeit und Schlaflosigkeit auf. Angst und Depression sind häufig mit den genannten Symptomen und Merkmalen assoziiert und Suizidgedanken sind nicht selten. (ICD-10 F43.1)

Meine Fortbildung und Therapieansatz nach L. Reddemann:

Auszüge:

In der PITT wird über das Medium einer hilfreichen Beziehung vor allem die Selbstbeziehung betont und mittels Imagination angeregt, diese neu zu gestalten und seelische Wunden damit einer Heilung zuzuführen. Dabei ist die Beachtung des Übertragungs- Gegenübertragungsgeschehens von zentraler Bedeutung, um die Patientin zu einem veränderten imaginativen Umgang mit sich selbst anzuregen. Mitgefühl und Trost, aber auch Anerkenntnis des geschehenen Unrechts werden im Umgang des erwachsenen Selbst mit den jüngeren Teilen stark betont. 

Zentral ist das Konzept der "inneren Bühne", die zu einem gemeinsamen imaginären Raum wird, auf den der/die Patient/in, gegebenenfalls angeregt und unterstützt durch die Therapeutin "spielen" kann. Dadurch wird sie wieder handlungsfähiger. Es ist erstaunlich, wie viel Menschen können, wenn man es ihnen nur zutraut. Zur PITT gehört auch die "Imagination", dass sehr viele Patientinnen trotz großer Beschädigungen viel mehr sind als diese Beschädigungen und über selbstregulative Kräfte verfügen. Mit Hilfe der Therapeutin können diese gefördert oder mehr oder weniger zum Versiegen gebracht werden. "Beidäugiges Sehen" (Fürstenau, 2002), d.h. das Wahrnehmen der Stärken und der  Probleme ist daher ein Grundsatz von PITT. So kann die Patientin durch Ermutigung lernen, die selbstregulativen Kräfte aufzuspüren und zu nutzen!

Die Ebene der Imagination ist sehr geeignet, den Körper in die therapeutische Arbeit mit einzubeziehen, ohne dass der Körper berührt werden muss, was ja für Menschen, die in zwischenmenschlichen Beziehungen traumatisiert wurden, oft ein Problem darstellen würde. Andererseits ist der Körper der Ort der Traumatisierung.

Achtsames Wahrnehmen des Körpers und der Körperbedürfnisse wird daher fortwährend angeregt, die Auswirkungen von Vorstellungen auf den Körper und sein Befinden sind unmittelbar wahrnehmbar und helfen der Patientin, sich bewusst und aktiv auf funktionalere und heilsamere Vorstellungen einzulassen. (1)

(1)L. Reddemann: Die psychodynamische imaginative Traumatherapie (PITT). Zeitschrift für Psychotraumatologie&Psychologische Medizin 1.Jg (2003) Heft 2, 1-8